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Folgt uns, wenn Ihr könnt!

Sources : http://www.oblivion.deLangue: German Date: 1/1/2005
 

FUNKER VOGT
Folgt uns, wenn Ihr könnt!

 

 Trotz längerer Funkstille navigieren sich Funker Vogt mit ihrem aktuellen Album „Navigator“ unbeirrt aller stilistischen Vielfalt im Bereich des Electro auf gewohnt sicherem Kurs durch die wogende See. Treibende BPM-Zahlen, die sofort ins Bein gehen, zeichnen auch „Navigator“ aus, wobei die Hamelner wieder einmal ein Garant für potentielle Clubhits sind. Doch auch vergleichsweise ungewohnte und nachdenkliche Töne haben in Gestalt von „Für Dich“ ihren Weg auf „Navigator“ gefunden, wie konträr dazu das beinahe schon punkige „Vorwärts“ klar Stellung bezieht, an dem einmal eingeschlagenen Weg entgegen aller Kritik und Vorbehalte gegenüber dem Image der Band festzuhalten. Gemeinsam mit Jens Kästel, Gerrit Thomas und Kai Schmidt unterhielten wir uns über das neue Album und weitere Neuigkeiten aus dem Funker Vogt Hauptquartier.

 

Zwei Jahre liegen zwischen der VÖ von „Revivor“ und „Navigator“, was für euch beinahe schon ein relativ langer Zeitraum ist. Was habt ihr seit der Veröffentlichung von „Revivor“ so alles getrieben?


Jens: >> Als so lange Zeit haben wir das gar nicht empfunden, denn es war ja nicht so, dass wir auf der faulen Haut gelegen haben. Durch die verschiedensten Aufträge als Remixer usw., die Arbeiten am Fusspils 11 Album, eine Menge Konzerte und natürlich durch die Erschaffung von „Navigator“ waren wir eigentlich ständig aktiv, und die Zeit verging eher wie im Flug. <<


Wann habt ihr mit den Arbeiten an „Navigator“ begonnen?


Jens: >>
Es ist bei uns in der Regel so, dass wir direkt im Anschluss an eine Veröffentlichung mit den Arbeiten zum Nachfolgewerk beginnen. Funker Vogt ist ein stetiger Prozess, bei dem sich die einzelnen Stücke immer und überall entwickeln. Ins Studio zu gehen und zu sagen „Wir machen jetzt mal schnell fünfzehn Songs“ ist absolut nicht unser Ding. <<


Warum habt ihr das Album „Navigator“ benannt? Seht ihr einen Zusammenhang zwischen der Tätigkeit, die ein Navigator ausübt und dem, was ihr mit dem Album (musikalisch neu) erschaffen habt?


Jens: >> „Navigator“ hat einfach unheimlich viele Facetten und es obliegt dem Betrachter eine eigene Interpretation dafür zu finden. Natürlich besteht zwischen dem Titel und unserer Arbeit ein Zusammenhang: „Navigator“ ist für Funker Vogt eine Art Wegweiser in die Zukunft. Man könnte auch sagen, dass wir zu neuen Ufern aufbrechen wollen, da wir unseren Auftrag noch lange nicht als abgeschlossen ansehen und in der Band noch ein riesiges Potential steckt, das wir Stück für Stück weiter ausreizen wollen, ohne auch in irgendeiner Form unsere Basis zu vernachlässigen. <<


Habt ihr dabei eine bestimmte Zielsetzung – musikalischer oder lyrischer Art -, wenn ihr mit den Arbeiten für ein neues Album beginnt, oder lasst ihr eurer Kreativität einfach freien Lauf?


Gerrit: >> Also für mich gibt es da keine bestimmte Zielsetzung. Natürlich weiss ich vorher, was ich für einen Song machen werde, bevor ich ins Studio gehe. Aber ein konkretes Ziel verfolge ich dabei nicht, eben weil das ja auch gerade von meiner Kreativität abhängig ist. <<

 

 „Für Dich“ ist sicher einer der ungewöhnlichsten und persönlichsten Funker Vogt-Tracks überhaupt. Woher stammt die Idee und die Inspiration für diesen Text?


Jens: >> Als ungewöhnlich würde ich „Für Dich“ nicht beschreiben, es ist für uns ebenso ein Teil von Funker Vogt wie jedes andere Stück, das wir geschrieben haben, natürlich hebt es sich durch seine persönliche Note und die Art des Songaufbaus etwas heraus, was sich in diesem Zusammenhang aber auch angeboten hat. Zur Entstehung ist zu sagen, dass ich „Für Dich“ in einer Zeit geschrieben habe, als es mir persönlich wie auch gesundheitlich ziemlich mies ging und ich es als Hommage an meinen Sohn Joy-Connor sehe. Es war mir einfach ein Bedürfnis, etwas Persönliches zu hinterlassen, was für immer bestehen bleibt. <<


Wo seht ihr selbst die musikalischen Veränderungen von „Survivor“ hin zu „Naviagator“, abgesehen von der stärkeren Einbindung der Gitarre, was, so denke ich, offensichtlich ist?


Gerrit: >> Es gibt eigentlich gar keine krassen musikalischen Veränderungen, hat es im Prinzip nie von einem Album zum nächsten gegeben. Der hörbare Unterschied liegt in der gesamten Entwicklung. Wir haben halt immer schon viel Wert auf die Mischung aus Eingängigkeit, Melodie und Härte gelegt. Nur haben wir diese Elemente mit der Zeit immer stärker deutlich gemacht. Was man bei „Navigator“ noch intensiver erkennen kann als denn je, ist die Tatsache, dass sich Funker Vogt in völlig verschiedene Richtungen entwickeln kann. Und genau das wollen wir mit diesem Album ja auch deutlich machen - allerdings immer mit Augenmerk auf unsere ursprüngliche musikalische Intention. <<


Kai lebt meines Wissens nach mittlerweile in München. Wie gestaltet sich seitdem die Zusammenarbeit, vor allem in Bezug auf die Texte, da ihr immer noch in Hameln lebt und Kai in München? Wie überbrückt ihr diese Distanz?


Jens: >> Im heutigen Zeitalter könnte er auch auf dem Mond leben. Kai weiss ganz genau wie die Texte für Funker Vogt auszusehen haben und wo er sie schreibt ist doch letztlich völlig egal. <<
Kai: >> Ganz genau, das war noch nie ein Problem, so habe ich auch schon ein Jahr in Australien gelebt und das hat dem Informationsfluss keinen Abbruch getan. Ich war nur die wenigste Zeit in den letzten zehn Jahren in Hameln ansässig, und es hat immer alles bestens funktioniert. Ich denke, räumliche Distanz ist heute kein Hindernis mehr! <<

 

 „Vorwärts“ als abschliessender Track des Albums ist neben seiner, wie ich finde, beinahe punkigen Attitüde schon so etwas wie ein Statement über den Werdegang der Band, sich nicht aufhalten zu lassen und seinen eigenen Weg zu gehen. Wie steht ihr zu dieser Aussage?


Jens: >> Da kann ich dir zu einhundert Prozent Recht geben. Die Grundaussage des Songs ist eigentlich eine andere, aber da er in „Wir“ Form geschrieben wurde, liegt diese Interpretation natürlich sehr nahe und passt wie die Faust aufs Auge in unsere Gedanken und unsere Einstellung. <<


Gab und gibt es Momente im Leben des Funkers, wo ihr euch in diesem militaristischen Image der Band gefangen oder eingeengt gesehen habt?


Jens: >> Niemals. Die Einengung und Limitierung auf dieses Image wurde eigentlich immer von aussen an die Band herangetragen. Selbstverständlich sind die Themen Krieg, Gewalt, Militär ein wichtiger Bestandteil unseres Schaffens, aber mit Sicherheit nicht der Einzige. Funker Vogt ist offener, als es so manch einer glauben will. <<


War dies vielleicht auch mit ein Grund sich mit Fusspils 11, Fictional und Ravenous weitere Nebenprojekte als Ausgleich für Funker Vogt zu schaffen? Wann ist mit einem neuen Ravenous-Album zu rechnen?


Jens: >> März 2034…(Brüll!!!) <<
Gerrit: >> (Grins)…das kann tatsächlich noch ein wenig länger dauern. Wir sind zurzeit sehr mit Funker Vogt beschäftigt und wollen uns auch weiterhin etwas intensiver als bisher darum kümmern, so dass für alle anderen Nebenprojekte keine Zeit mehr ist. Aber das soll nicht heissen, dass wir nie wieder etwas mit Ravenous, Fußpils 11 oder Fictional machen werden…

Ihr seid dieses Jahr zum ersten Mal seit längerem auf keinem der grossen Festivals vertreten, obwohl dies zur Promotion des neuen Albums sicherlich nicht schlecht gewesen wäre. Eine bewusste Entscheidung, dieses Mal etwas kürzer zu treten, um sich stattdessen auf die eigenen Tour vorzubereiten und zu konzentrieren, oder gab es andere Gründe?


Jens: >> Sicherlich wäre es schön gewesen, die neuen Stücke dem Publikum schon einmal vorab präsentieren zu können, aber irgendwie passte es vom Zeitplan nie. Uns war es wichtig an allem zu hundert Prozent zu arbeiten, was mit „Navigator“ zu tun hat und somit bestand eigentlich zu keinem Zeitpunkt die Möglichkeit der Umsetzung solcher Pläne. Die Arbeiten haben einfach vollste Konzentration verlangt und halbherzig auf der Bühne zu stehen war ebenfalls noch nie unser Anspruch, so dass wir diese Gedanken schnell wieder verdrängt haben. Wie du schon sagtest, wir konzentrieren uns jetzt voll auf unsere Tour und werden dort unseren Fans gehörig einheizen. <<

 

In wie weit seid ihr in die Gestaltung Eurer Website mit eingebunden, die, wie ich finde, fantastisch ist und unglaublich viel an Infos bietet?


Jens: >>
Da lassen wir unserem Webmaster im Prinzip völlig freie Hand. Natürlich äussern wir vorab unsere ungefähren Vorstellungen, aber bei der Umsetzung halten wir uns dann weitestgehend heraus und sind damit auch bisher sehr gut gefahren. Es ist immer wieder toll mit Leuten zusammenzuarbeiten, die solche Projekte mit einem ungeheuren Idealismus angehen und dann auch fortführen. <<


Was würdet ihr selbst als den absoluten Höhepunkt eurer Karriere bezeichnen? Was als den absoluten Tiefpunkt?


Jens: >> Es fällt mir schwer, hier einzelne Dinge besonders hervorzuheben. In jedem Abschnitt unseres Schaffens gab es Höhen und Tiefen. <<


Plant ihr die Veröffentlichung einer weiteren DVD?


Gerrit: >> Wir feiern nächstes Jahr unser zehnjähriges Bandbestehen und wollen dazu einiges an Extras veröffentlichen. Eine DVD mit Live-Mitschnitten und vielen Extras ist auch darunter geplant. <<


Gerüchte besagen, dass „Navigator“ als auch die anstehende Tour aufgrund eines persönlichen Schicksalsschlages innerhalb der Band das letzte Album von Funker Vogt sein könnten. Möchtet ihr dies kommentieren und bestätigen oder verneinen?


Jens: >> Gerüchte halt. Wir hoffen, dass wir noch sehr lange zusammen unterwegs sind und Musik machen können, aber es ist richtig, es könnte schneller vorbei sein, als man denkt. Momentan blicken wir aber einzig und allein nach vorn….in diesem Sinne: VORWÄRTS!!! <<


Abgesehen von der Antwort zur letzten Frage: wie lange kann man den Funker Vogt und dieses Image aufrecht zu erhalten, ohne sich dabei nicht irgendwann lächerlich zu machen?


Jens: >> Als Musiker ist Funker Vogt eine Lebenseinstellung und lächerlich macht sich nur der, der uns nicht Ernst nimmt. <<


In wie weit beschäftigt ihr euch mit der aktuellen Electroszene? Gibt es Bands und musikalischen Tendenzen, die ihr hier besonders hervorheben möchtet?


Gerrit: >> Nein. Ich denke nur, dass man mittlerweile in vielen anderen Musikrichtungen einen gewissen Anteil an „Electro“ wiederfindet, was ich natürlich gut finde, da sich die ganze Welt unserer Szene so schrittweise annähert. Wenn du heute jemandem irgendein Electro-Album zeigst, der mit der Szenemusik sonst nichts am Hut hat, wird er aller Voraussicht nach höchstens ein müdes Lächeln opfern oder es sogar ganz gut finden. Vor fünfzehn Jahren hingegen waren die Leute fast geschockt, wenn man ihnen so was vorgeführt hat. Deswegen kann man ja auch eine konkrete Entwicklung innerhalb dieser Szene festmachen, obwohl es immer noch genug Nörgelköppe gibt, die behaupten, die Szene stünde still. Das war mal so, ist aber definitiv vorbei… <<


Wie steht ihr Bands gegenüber, die dieses militaristische Image zu ernst nehmen und beispielsweise Fotos von Leichen aus dem Zweiten Weltkrieg oder ähnliche Geschmacklosigkeiten für ihre Artworks verwenden?


Gerrit: >> Sofern diese Art der Covergestaltung vernünftig erklärbar und zu rechtfertigen ist, kann da meiner Meinung nach jeder machen, was er will. Für mich persönlich wäre das aber nichts. <<


Jens: >> Sehe ich ähnlich, vor 10 Jahren konntest du damit noch einen gewissen Schockeffekt erzielen. Heutzutage jedoch lockst du damit keinen Hund mehr hinter dem Ofen hervor, aber wie Gerrit schon sagte…jeder nach seiner Fasson. <<


Was sind eure nächsten Pläne mit Funker Vogt? Ein paar letzte Worte an eure Fans?


Gerrit: >> Folgt uns, wenn Ihr könnt! <<

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