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Interview

Originally Posted on: http://www.medienkonverter.deLanguage: German Date: 12/8/2006
 


Nach ihrem grandiosen Auftritt auf der Hauptbühne am Samstag nachmittag und 10 Jahren Erfolgsgeschichte war es wieder an der Zeit, bei Funker Vogt nachzuhaken. Sänger Jens Kästel nahm sich die Zeit und sorgte für so manche „Ahs“ und „Ohs“ bei uns während des Gespräches. Doch mehr wollen wir noch nicht verraten. Den ersten Teil des langen, aber aufschlussreichen und mitunter recht spaßigen Gespräches lest Ihr hier. Den zweiten und letzten Teil des Interviews werden wir Ende nächster Woche veröffentlichen.

 

Medienkonverter:
Hallo Jens! Vielen Dank, dass dir die Zeit fürs Interview nimmst. Wir haben vorher euren Auftritt gesehen und in der ersten Reihe mit der begeisterten Menge mitgefeiert! Euer Auftritt war absolut klasse, ganz großes Kompliment. Wie war das für euch auf der Bühne, wie habt Ihr euch gefühlt?

 

Funker Vogt (Jens Kästel)
Ja wie immer, gut! Ist ja egal, ob du da vor 20.000 Leuten stehst oder vor 200. Das ist total egal, Hauptsache es macht Spaß!

 

Medienkonverter:
Habt ihr denn eure Auftritte mal mitgezählt? Wisst ihr, der wievielte das heute war?

 

Funker Vogt (Jens Kästel)
Wenn wir so zehn im Jahr haben, werden es so an die 100 gewesen sein. Mehr ist das nicht. 100 bis 150 Auftritte, viel mehr werden das nicht gewesen sein.

 

Medienkonverter:
Ihr wohnt privat ja mehr oder weniger fast „ums Eck“ von Hildesheim und damit vom M’era Luna und seid hier inzwischen Stammgast. Was bedeutet euch denn das M’era Luna? Hat das euch bei eurer Karriere, bei eurem Weg nach oben auch geholfen?

 

Funker Vogt (Jens Kästel)
Ja, das ist natürlich ein Festival, das uns begleitet hat. Wenn wir jetzt das fünfte Mal hier sind, waren wir vor 10 Jahren das erste Mal da, oder vor 9 Jahren, keine Ahnung. Ich glaube, wir haben zweimal in der Halle gespielt und dreimal draußen. Das hat uns natürlich begleitet. Das Festival ist immer größer geworden. Inzwischen kommen an die 20.000 Leute. Jetzt kannst du inzwischen auch sagen, je später du spielst, umso besser wird es. Im Endeffekt siehst du jedes Jahr wieder, egal ob du um 14 Uhr spielst, um 20 Uhr oder um 22 Uhr, das ist völlig egal, dass die Leute da sind und feiern und das ist was uns freut!

 

Medienkonverter:
Ja, bei eurem Konzert waren wirklich extrem viele Leute da. Wenn ich mich daran erinnere, wie ich euch vor etlichen Jahren in München zusammen mit Klirrfaktor im Club Feierwerk gesehen habe, wie klein das Ganze da noch alles war, da ist das heute wirklich überwältigend gewesen. Was ist euch denn da eigentlich lieber? Spielt ihr lieber auf großen Festivals, in großen Hallen oder mögt ihr die kleinen Club-Auftritte, wenn es die überhaupt noch gibt, noch lieber?

Funker Vogt (Jens Kästel)
Da gibt es überall Pro und Contra. Wenn du ein so großes Festival wie hier hast und vor so vielen Leuten eine dreiviertel Stunde spielst, dann ist das natürlich optimal. Da kannst du eine dreiviertel Stunde Feuer geben und fertig. Es ist relativ einfach und es macht natürlich Spaß, die Massen zu sehen. Aber ein Clubkonzert, wo du dir erst mal nicht sicher sein kannst, was passiert, ist schon auch klasse. Wenn dann die Stimmung richtig gut wird, macht das umso mehr Spaß, ganz klar.

 

Medienkonverter:
Wir haben heute schon seit 11 Uhr mehrere Bands gesehen, da war die Stimmung meist ganz gut, aber doch eher etwas verhalten. Dann seid ihr aufgetreten und der Teufel war los.

 

Funker Vogt (Jens Kästel)
Bis Nitzer Ebb wird da auch nicht mehr passieren! Und das ist genau das, was ich meinte: Egal wann wir spielen, das wird immer gut! Die Krupps waren zwar klasse, aber da ist halt auch so ein Gitarrengeschrammel dabei, das mag man oder man mag es nicht.

 

Medienkonverter:
Ihr seid nicht auf dem WGT gewesen. Ich weiß, dass ihr in den Monaten zuvor mit der Orkus Club Tour unterwegs wart, da habe ich euch auch in München gesehen. Doch warum seid ihr zu eurem 10jährigen Jubiläum nicht in Leipzig gewesen?

 

Funker Vogt (Jens Kästel)
Da musst du die Veranstalter des WGT fragen!

 

Medienkonverter:
Haben die euch nicht gefragt?

 

Funker Vogt (Jens Kästel)
Nein, die wollten uns dieses Jahr nicht. Es ist ja eigentlich immer ein Wechsel: Wir spielen alle zwei Jahre auf dem M’era Luna, und die anderen Jahre immer auf dem WGT. Dieses Jahr wollten die uns nicht. Und das kann nicht an der Kohle liegen. Also ich denke, das hat irgendwo persönliche Gründe. Warum auch immer, mir ist das egal. Wenn sie uns nicht wollen oder brauchen, ist das doch auch in Ordnung.

 

Medienkonverter:
Ihr seid ja jetzt auf dem M’era Luna aufgetreten, seid auf dem Arvika Festival gewesen und auf der Castle Party in Polen – wie war’s denn dort? Ich habe gehört, die Festivals sind immer ein voller Erfolg!

 

Funker Vogt (Jens Kästel)
Absolut! Auf dem Arvika-Festival waren wir nun auch schon das zweite Mal. Wir waren vor sieben schon mal dort. Auch dieses Jahr haben wir wieder auf derselben Bühne gespielt. Wir waren die letzte Band des Festivals und das war richtig klasse! Das war auch das erste Mal, dass in Schweden während des Konzertes Deutschlandfahnen geschwungen wurden! Das ist unvorstellbar! Das war ein richtig fetter Erfolg! Die Castle-Party ist für jeden Fan zu empfehlen. Jeder Fan, der hier zeltet, kann da auch zelten. Wenn du als Band jedoch fließendes Wasser gewohnt bist, kommst du vom Regen in die Traufe. So ein Catering oder Duschmöglichkeiten wie hier gibt es dort nicht! Die haben gar kein fließendes Wasser, da gab es für alle Bands Dixi-Klos! Da kommst du hin und fragst dich: „Uh, was ist denn hier nicht in Ordnung?“ Aber das Konzert war richtig geil! Das Publikum ist richtig geil, die Burg ist klasse, aber das Drumherum ist halt ein bisschen ausbaufähig! Aber auf jeden Fall zu empfehlen, absolut

 

Medienkonverter:
Ihr wart auch in Geiselwind auf dem Metal Battle Open Air! Da waren die Black Metaller Dimmu Borgir Headliner und so illustre Gestalten wie Mambo Kurt sind aufgetreten. Ich habe mal nachgesehen, was da noch an ernstzunehmenden Gothic- oder Electro-Acts aufgetreten ist …

 

Funker Vogt (Jens Kästel)
Nichts! (lacht)

 

Medienkonverter:
Was hat euch denn dann dazu bewegt, dort aufzutreten?

 

Funker Vogt (Jens Kästel)
Der Deal! Gut, da haben wir als Band ja relativ wenig damit zu tun. Aber die haben angefragt, wollten uns haben. Als wir das aber dann gesehen haben, dachten wir uns: „Oh, was ist das denn?“ Aber das war ok!

 

Medienkonverter:
DAS war ok? Lauter Langhaarige und ein riesiger Moshpit vor der Bühne?

 

Funker Vogt (Jens Kästel)
Nein! Also vom Publikum her war das Festival sowieso nicht ganz so gut besucht. Wir hatten da schon Befürchtungen. Aber es ist trotzdem richtig gut gelaufen.

 

Medienkonverter:
Waren denn auch eure „klassischen“ Fans auf diesem Festival zugegen?

 

Funker Vogt (Jens Kästel)
Ja, unsere klassischen Fans waren da und es war auch der ein oder andere Heavy-Fan da, der dann auch mal nachgefragt hat oder der dann gesagt hat: „Hey, was ist denn das? Das ist ja gar nicht so schlecht! Das gefällt mir ja, das hab ich noch nie gehört!“. Das Festival war im Prinzip schon ein Pluspunkt!

 

Medienkonverter:
Das ist klasse, denn da habe ich mich wirklich gefragt: „Meine Güte, was machen Funker Vogt denn da?“

 

Funker Vogt (Jens Kästel)
Also die Location (Anm. d. Verf.: ein sog. Erlebnisrasthof, http://www.autohof-strohofer.de/) ist der Hammer! Du hast da ein riesiges Gelände mit einer großen Halle. Allein in die Halle passen bestimmt 5.000 Leute rein!

 

Medienkonverter:
Apropos Metal-Festival: Ihr habt im Zuge der Veröffentlichung eures letzten Albums „Navigator“ oft betont, dass ihr nun auch verstärkt Gitarren einsetzen wollt …

Funker Vogt (Jens Kästel)
Das hat mit Metal nichts zu tun. Auch bei den Krupps z.B. hat das mit Metal nichts zu tun …


Medienkonverter:
Aber ich meine, du hattest mal gesagt, du warst früher auch Rocker oder Metaller …

 

Funker Vogt (Jens Kästel)
Ja, das war ich früher mal! Aber ich hab es jetzt wieder gesehen, das passt einfach nicht mehr.

 

Medienkonverter:
Das passt nicht mehr zusammen?

 

Funker Vogt (Jens Kästel)
Nein, das geht gar nicht mehr!

 

Medienkonverter:
Aber ihr habt damals erklärt, ihr wollt mit diesem Album neue Grenzen ausloten, neue Fans dazu gewinnen. Jetzt kommen eure Fans aber schon aus den unterschiedlichsten Sparten. Habt ihr denn das Gefühl, dass mit diesem Album und mit dieser Weiterentwicklung neue Fans dazu gekommen sind?

 

Funker Vogt (Jens Kästel)
Ja, man sieht das an den Verkaufszahlen, das ist das Entscheidende! Das kann ich auch in jedem Interview sagen: Es geht niemals sprunghaft nach oben, aber es geht immer weiter. Und du merkst es bei den Konzerten: Die Leute, die dich ansprechen, das Feedback, das kommt. Wenn da ein Langhaariger ankommt, der eigentlich nur seinen Kopf schüttelt und sagt: „Das ist geil“, habe ich schon einen dazu gewonnen! Irgendwo auf jeden Fall. Und selbst wenn man sich diese ganze Scheiße irgendwo nur rumerzählt. Lass da irgendeinen mal zum Konzert kommen, der seine Freunde mitbringt. Der zieht sich vielleicht das Album aus dem Netz, zahlt aber 30 Euro Eintritt beim Konzert. Also irgendwo rechnet sich das, die Leute kommen dazu. Und das ist eine ganz gute Sache. In die Richtung machen wir einfach weiter. Wir brauchen auch keine Gitarre, die Leute würden genauso zur Musik stehen. Das ist einfach so ein Ding, das auffüllt, was einen guten Live-Sound macht. Da könnte man jetzt auch noch einen Drummer dazu nehmen. Die Frage ist einfach: Muss es sein oder muss es nicht sein?

 

Medienkonverter:
Auf der „Survivor“ habt ihr mit dem Einsatz von Gitarren begommen, dann habt ihr euren Gitarristen ausgewechselt und Frank Schweigert in die Band geholt. Der muss ja hier jetzt auch eine Rolle bekommen und sich etablieren. Werdet ihr die Gitarren denn zukünftig verstärken oder tatsächlich Live-Drums einbauen?

 

Funker Vogt (Jens Kästel)
Nein, definitiv nicht. An Gitarre wird es nicht mehr werden! Da wird es produktionstechnisch aber einen Ansatz geben. Die Produktion machen ja ausschließlich Gerrit und ich – wir beide sind die Band und alles andere kommt dazu. Wenn einer Ideen hat, ist das immer herzlich willkommen, aber die Songs schreiben wir beide. Und was wir wollen, wird gemacht.

Medienkonverter:
Gerrit scheint ja sowieso der ausgefuchste Elektroniker zu sein, der auch keine Gitarren mag. Hatte er sich nicht am Anfang sogar gegen die Gitarren gewehrt?

 

Funker Vogt (Jens Kästel)
Ja, ein bisschen schon. Und jetzt wehrt er sich halt gegen diese Sache mit den Live-Drums. Also im Club brauche ich das auch nicht, aber auf einem solchen Festival wie heute hätte das eine Menge gebracht, glaube ich. Das wäre noch mal ein Schritt nach vorne gewesen, wenn wir einen Drummer hätten, der da hinten ein bisschen Gas gibt.

 

Medienkonverter:
Das kann ich mir auch gut vorstellen. Aber was wir heute ein wenig schade fanden, man hat dich, deine Stimme, am Anfang gar nicht gehört. Ihr seid echt schlecht abgemischt worden!

 

Funker Vogt (Jens Kästel)
Du hast ja live keinen richtigen Soundcheck, das ist immer sehr problematisch. Also ich möchte jetzt keinen meiner Kollegen in die Pfanne hauen, aber bei uns ist alles live, der Gesang und was die Jungs spielen! Na gut, logischerweise nicht alles, aber ich hoffe, du verstehst was ich meine!

 

Medienkonverter:
Ja, natürlich! Wir kennen euren Sound jedoch von anderen Konzerten, da war das wirklich das volle Brett. Wir haben den heute als nicht ganz optimal empfunden.

 

Funker Vogt (Jens Kästel)
Ja klar, wenn ich vorher eine Stunde lang Soundcheck machen könnte, dann kann ich das einpegeln. Wenn ich aber 20 Minuten Umbaupause habe, dann hab ich da keinen gründlichen Soundcheck, sondern nur einen Line-Check, wo ein Techniker mal kurz ins Mikro rülpsen darf. Das funktioniert einfach nicht.

 

Medienkonverter:
Wenn du mal an eure ersten Songs, die erste Veröffentlichung, an euren ersten Auftritt denkst. Und an die zehn dazwischen liegenden Jahre, diese lange Zeit – man hat ja immer etwas von euch gehört, ihr wart immer präsent, das war ein kontinuierlicher Erfolg – wollt ihr euch nochmals 10 Jahre vornehmen, wollt ihr gerne „alt“ werden mit Funker Vogt?

 

Funker Vogt (Jens Kästel)
Alt sind wir ja eh schon! (lacht)

 

Medienkonverter:
(lacht) Ihr habt mal richtig viel erreicht in dieser Zeit!

 

Funker Vogt (Jens Kästel)
Eigentlich schon! Das ist immer Anspruchsdenken. Will ich jetzt ein Rockstar, Popstar oder Electrostar werden. Also wir haben das immer als Hobby gesehen, ganz